Onlineshops gibt es wie Sand am Meer, vermutlich sogar noch mehr. Es gibt faktisch keine Nische mehr wo sich nicht unzählige Shops tummeln. Doch eines ist nicht von der Hand zu weisen. Den Großteil des Shopumsatzes macht nur ein geringer Teil von onlineshops, viele Shops dümpeln einfach nur vor sich hin und kommen nicht wirklich auf nennenswerte Umsätze.
Das Problem ist aber von vielen Shopbetreibern hausgemacht. Sie überblicken den Aufwand nicht der hinter einem solchen Shop steckt, informieren sich vorab zu wenig über etwaige Stolperfallen. Anbei mal einige typische Stolpersteine und Denkfehler.
Webspace
Natürlich muß es gleich zu Beginn ein eigener Server sein, denn man erwartet ja – so verspricht es häufig die Werbung – schon nach wenigen Stunden die ersten Umsätze und dann wird es wohl bald zu einem Run kommen. 300 € für einen mamaged Server? Nee, es wird natü+rlich ein Rootserver für 59 € genommen. Spart Geld und irgendwie kommt man damit schon klar. Ein befreundeter Webhoster meint, daß rund 60 % aller Rootserver-Kunden keine wirkliche Ahnung von Serveradministration haben. Ich persönlich würde die Zahl vielleicht sogar noch höher ansetzen. Toll wie vor kurzem erlebt, wenn sich der zukünftige Mega-Shopbetreiber für einen Windowsserver entscheidet, weil Windows kennt er ja bereits von heimischen PC. Das Ergebnis im erlebten Beispiel: die suchmaschinenfreundlichen URLs funktionierten nicht, da der Windows-Server mit der .htacess nicht klarkommt. Ein Großteil der internen Links warfen daher einen 404 aus. Toll.
Aber selbst mit einem Linuxserver ist man nicht vor Problemen gefeit, insbesondere wenn es um OS-Updates und die Schließung von Sicherheitslücken geht. Dinge, die für einen erfahrenen Sysadmin kein Problem darstellen, den Shopbetreiber aber unter Umständen Stunden oder Tage kosten und wo das Risiko eines Totalabsturzes immer einzukalkulieren ist. Gründe genug sich die Frage zu stellen, ob es für den Anfang wirklich gleich ein eigener Server sein muß oder ob ein mittelgroßes Webspacepaket nicht vielleicht auch ausreicht.
Wenn man sich dennoch für einen eigenen Server entscheidet, sollte man selbstkritisch prüfen ob man wirklich ausreichend Erfahrung mit Serveradministration hat. Beantwortet man letztere Frage mit NEIN, dann sollte man sich unbedingt für einen Managed Server entscheiden, auch wenn der einiges mehr kostet.
Shopscript und Design
Auch beim Shopscript wird häufig auf das billigste gesetzt was zu bekommen ist, nur keine Kosten produzieren. Doch wer billig kauft, kauft häufig zweimal. Suchmaschinenunfreundliche URL’s, zugemüllter Quellcode, diverse Sicherheitslücken. Häufig erkennt man schon auf drei Kilometer Entfernung welches Script dahinter steckt, denn ein individuelles verkaufsförderndes Design wurde auch häufig eingespart und lieber auf die Billigvariante gesetzt. Das ist dann so als würde ich meine edlen Designeruhren im Ladenlokal eines von Hausbesetzern gerade geräumten Abbruchhauses verkaufen wollen.
Für ein ansprechendes und verkaufsförderndes Shopdesign sollte man durchaus 1.000 – 2.000 € einplanen, ggf. noch weiteres Budget für spezielle Shopanpassungen.
Gerade auch beim Shopscript sollte man ruhig mal Testinstallationen diverser Shopscripte ausprobieren. Auch spätere Erweiterungen des Artikelbestandes, Anpassungen an eine Warenwirtschaft, die Supportmöglichkeiten für das Script, aber die kooperierenden Zahlungsmöglichkeiten sollten dabei nicht außer Acht gelassen werden.
Rechtliches
Ein heikler Punkt ist auch der jurischte Hintergrund für das Betreiben eines onlineshops. Datenschutzerklärung, Widerrufsbelehrung, Jugendschutz sind hier nur einige der Stolperfallen. Sobald ich im Impressum sehe, daß wieder mal jemand Umsatzsteuer-ID und Steuernummer durcheinander wirft, ist mkr klar, daß es in Sachen der zuvor genannten Punkte dann wohl häufig auch Lücken gibt. Bei bestimmten Produkten sind dann auch noch Dinge wie Textilkennzeichnungspflicht u.ä. zu beachten. Auch bei solchen Dingen wird übrigens, um Kosten zu sparen, gerne von anderen Shops kopiert ohne zu wissen ob dort alles korrekt ist oder das auch nur irgendwoher kopiert wurde. Wer auf der sicheren Seite sein will, der sollte sich einen Anwalt suchen der sich auf Online- und Wettbewerbsrecht spezialisiert hat und somit immer auf dem aktuellen Stand ist in Sachen Rechtsprechung auf diesen Gebieten. Mit ca. 800 – 1.000 € sollte man da aber rechnen, immer noch billiger als wenn man es auf eine Abmahnung ankommen läßt.
Domain
Auch immer wieder Stein des Anstoßes ist die Domain. Eine Domain kostet heutzutage ja nicht mehr wirklich viel, trotzdem gibt es immer wieder Shopbetreiber die auf eine kostenlose Subdomain a la .de.vu o.ä. setzen. Unseriöser geht es eigentlich nicht, da spart man echt am falschen Ende. Genauso ist es aber auch falsch bei der Domainauswahl sich für eine Domain zu entscheiden, die markenrechtliche Probleme aufwerfen kann. Manche Unternehmen sind da sehr streng und schicken schnell eine Abmahnung. Wenn man dann komplett von Null anfangen muß mit einer neuen Domain, kostet das viel Zeit und Geld, denn das gesamte Marketing muß umgestellt werden, ggf. neues Briefpapier gedruckt werden usw. Also sollte man auch hier die Domainauswahl einer genauen Prüfung unterziehen.
Marketing
Wer denkt ein Onlineshop vermarktet sich von selbst oder ist, was das Marketing angeht, billiger zu betreuen als ein Ladenlokal, der hat sich schwer getäuscht. Egal ob SEO, SEA, E-Mail-Marketing, Bannerwerbung, Affiliatemarketing oder Social Media Marketing – faktisch alles kostet Geld. Nicht alles zeigt dabei sofort seine Wirkung, manches erst nach vielen Monaten oder gar nach Jahresfrist. Es ist zwar schön, wenn manche Firmen die Mietshops anbieten mit einem 50 € Adwords-Gutschein locken, doch häufig kann man da auch sehr viel Geld verbrennen wenn man keine Ahnung von der Accountpflege hat. Je nach Themengebiet sollte man aber durchaus in den ersten zwölf Monaten mit ca. 10.000 – 15.000 € an Marketingkosten rechnen, wenn man WIRKLICH ernsthaft seinen Shop promoten möchte.
Zeit
Wer einen Onlineshop betreibt der muß davon ausgehen, daß dieses ein großes Zeitfenster erfordert. Marktbeobachtung, Bestellbearbeitung, Reklamationsbearbeitung, Recherche zu relevanten Themen sind da nur einige Punkte. Betreibt man einen Shop als one-Man-Show, dann sollte man sich darüber im Klaren sein, daß das thema Urlaub erstmal für lange Zeit gestrichen ist. Was absolut nicht geht ist Urlaub zu machen und ein “Schild” in den Shop zu hängen “Wegen Urlaub geschlossen”. Das wirkt absolut unprofessionell und treibt die Kunden dann zur Konkurrenz und es ist dann sehr schwer sie von dort wieder zurückzuholen. Das sollte man bei allem immer mit einkalkulieren.
Fazit: Ein Onlineshop ist in 99,99 % aller Fälle NICHT billiger als ein Ladenlokal. Bevor man seinen eigenen Onlineshop startet, sollte man sich ernsthaft mit den damit verbundenen Themen auseinandersetzen und genau prüfen ob man wirklich die Fähigkeiten und das finanzielle Polster hat den Shop entsprechend aufzubauen, sodaß dieser auch wirklich erfolgreich werden kann.