Konsolidierung in der SEO-Branche?

In den letzten Monaten ist mir mehrfach aufgefallen, daß immer häufiger SEOs von der Selbständigkeit in ein Angestelltenverhältnis wechseln. Ich rede dabei nicht von irgendwelchen drittklassigen Möchtegern-SEOs, sondern durchaus von Leuten deren Kompetenz in Sachen SEO recht weit oben angesiedelt ist.

Noch vor kurzem war es eigentlich so, daß die meisten SEOs die wirklich was auf dem Kasten hatten, lieber selbständig arbeiteten als sich irgendwo im Angestelltenverhältnis als Inhouse-SEO zu verpflichten.

Was ist also geschehen, daß es hier bei einigen SEOs zu so einem Umdenken kam?

Ich persönlich sehe mehrere Gründe vorliegen, die sicher in ihrer Gesamtheit dazu führen, daß dieses Umdenken auch in Zukunft häufiger stattfinden wird.

Die Preise für SEO sinken

Ich mache seit zehn Jahren SEO, habe Googleupdates kommen und gehen sehen. Damals war die deutsche SEO-Branche noch recht klein und überschaubar. Noch vor 6-7 Jahren schätzte ich die Zahl der SEOs die in Deutschland für Kundenprojekte tätig sind auf unter 100 ein, inzwischen ist diese Zahl in meinen Augen explodiert. Jeder der es mal geschafft hat für eine fünftklassige Keywordkombi zu ranken, bietet heutzutage SEO an. Ich könnte da zig Beispiele aufzählen. Um an Kunden zu kommen wird viel versprochen, teils wenig gehalten und zudem mit Dumpingpreisen geworben. Ich selbst erlebe das immer wieder, daß mir Angebote gezeigt werden die sich betriebswirtschaftlich absolut nicht rechnen, außer man arbeitet ausschließlich mit Praktikanten oder lagert große Teile nach Indien, Bangladesh usw. aus.

Da dann mit wirklich fairen Preisen mitzuhalten ist nicht ganz einfach und zudem kommt da noch die Verantwortung für die eigenen Mitarbeiter hinzu. Daß da der eine oder andere Branchenkollege „die Seite wechselt“ ist irgendwie leicht nachzuvollziehen.

Der Konkurrenzkampf wird stärker

Mit den ganzen Billig-SEO-Angeboten wächst auch zugleich der Konkurrenzkampf. Dazu kommen immer mehr Affiliateprogramme wo sich auch immer mehr Leute draufstürzen um damit „das große Geld“ zu verdienen. Klar gelingt dies nicht allen, aber jeder Affiliate mehr auf dem Markt bedeutet zugleich mehr Arbeit in Sachen SEO, somit auch mehr Kosten und geringere Gewinne. Einige Globalplayer investieren in Sachen SEO große Beträge (zumeist inhouse oder über große Agenturen – kleine Agenturen gucken da in die Röhre) und erschweren es kleinen Agenturen ihre Kunden gut zu platzieren, da diese häufig nur kleine Bruchteile dessen investieren können.

SEO ist komplizierter geworden

Ja, die Basics sind immer noch die gleichen, doch in vielen Bereichen kommt man damit alleine nicht mehr weit. Es gilt immer komplexere Strukturen zu entwickeln um sich gut zu positionieren und wenn dann ein Update wie das Pinguinupdate kommt, bricht so manches Kartenhaus in sich zusammen. Dazu kommt, daß man als SEO der für Kunden tätig ist, eigentlich noch viel mehr können muß. Man ist irgendwie zugleich Betriebswirt, Controller, Jurist, Usabilityexperte und einiges mehr für den Kunden. Es gilt vieles zu beachten, bereits im Vorfeld, damit die Investition in Sachen SEO nicht nach hinten losgeht. Was nützt es denn wenn die Seite top platziert ist, aber das Design so grottig ist, daß da niemand was kauft? Was bringt ein gut platzierter Onlineshop dessen Widerrufsbelehrung und AGB vor juristischen Fehlern nur so strotzen und der dann mit Abmahnungen von Mitbewerbern überschüttet wird und sich dann den SEO nicht mehr leisten kann? Ja, auch solche Dinge muß man als guter SEO immer mit im Blick haben und einiges davon fällt als Inhouse-SEO dann weg, weil es bei Firmen mit Inhouse-SEO zumeist auch Experten für die anderen Teilbereiche gibt.

Welche Auswirkungen hat das Pinguin-Update auf die SEO-Branche in Deutschland?

Die Auswirkungen dürften ganz unterschiedlich sein. Zum einen dürfte die eine oder andere kleine Agentur arg in Bedrängnis geraten, wenn die Kundenprojekte durch das Update abgerauscht sind. Für manche könnte dies das AUS bedeuten. Zum anderen habe ich bereits von einigen Affiliates gelesen deren Projekte komplett abgestürzt sind und die nun überlegen sich wieder einen anderen Job zu suchen, da ihre Einnahmequellen zu 100 % weggefallen sind. Dies dürfte eventuell dazu führen, daß der Konkurrenzdruck sich marginal verringert.

Zum anderen bedeutet dies für viele SEOs auch wieder komplettes umdenken in einigen Bereichen, verbunden mit viel Arbeit. Während einige also aufgeben, dürften andere davon profitieren und wohl auch etwas bessere Preise durchsetzen können.

Ich bin daher sehr gespannt wie oft ich in 2012 noch lesen darf, daß XY nun bei ABC angestellt ist.