Fehler bei Onlineshops – Teil 7

Mal wieder möchte ich hier einen Onlineshop analysieren, bei dem so vieles falsch gemacht wurde, daß es einem die Tränen in die Augen treibt. Die Lektüre meines neuen Ebooks im Vorfeld hätte da sicher einige der gemachten Fehler vermeiden können.

Der Shop ist zu finden unter der Domain

Wer es jetzt geschafft hat den Domainnamen auszusprechen ohne sich dabei die Zunge zu brechen: herzlichen Glückwunsch!

Da liegt der Hase im Pfeffer begraben. Ein Domainname sollte immer LEICHT zu merken sein. Der hier ist das krasse Gegenteil davon. Dazu noch einer in spanisch, eine Sprache die eh nur ein Bruchteil aller Deutschen beherrscht. Und dann noch die Frage bezüglich der Zahl der Bindestriche. So etwas kann sich doch niemand wirklich merken. Oder einfach mal versuchen den Domainnamen mal jemandem „schnell“ am Telefon zu sagen. Da braucht man ja ne Telefonflatrate um den buchstabieren zu können…

Ein Merkmal weshalb Shops wie Ebay oder Amazon so groß geworden sind, ist auch, daß ihre Domainnamen für alle leicht einprägsam sind. Diesen Fakt sollte man auf gar keinen Fall unterschätzen!

Der Shop ist übrigens mit und ohne www. erreichbar, was zu duplicate Content führt. Hier sollte man in der .htaccess eine Standarddomain definieren.

Schauen wir uns einmal die Startseite etwas genauer an:

Toller Satz. Besagt eigentlich nur eines:

„Hallo, ich bin mit der von mir genutzten Shopsoftware absolut überfordert.“

Richtig „toll“ auch dieser Absatz ganz oben auf der Startseite:

Ich möchte nirgends mit „Gast“ angesprochen werden. Das geschieht auch nicht im Ladengeschäft, das geschieht nirgends. Wenn ich nicht weiß wie die Person heißt, dann rede ich sie einfach nur neutral an. Es ist schön, daß ich auch ohne Kundenkonto einkaufen kann, aber sich erstmal über mehrere Zeilen hinweg an der populärsten Stelle der Startseite darüber auszulassen warum und weshalb ein Kundenkonto doch so praktisch ist, zeigt auch nur wieder, wie wenig man sich im Vorfeld mit Design, Usability und Marketing und auch ein wenig mit Psychologie beschäftigt hat.

An diese Stelle gehören die wirklich wichtigen Sachen, die Eyecatcher. Da muß verkauft werden, nicht mehr und nicht weniger.

Weiter geht es mit dem Bereich „Unsere Empfehlungen“. Man hat das Gefühl, der Shopbetreiber will da gleich sein gesamtes Portfolio auf einmal empfehlen. Um einmal bis ganz nach unten zu scrollen braucht man beinahe von Silvester bis Weihnachten. Empfehlungen ja gerne, aber dann bitte eingrenzen auf einige wenige Produkte und nicht auf so viele. Niemand scrollt so weit nach unten und zudem wirkt es auf den Betrachter in dieser Form auch erschlagend.

In der linken Sidebar findet man diesen Bereich:

Schön, aber wen interessieren diese Daten wirklich, zumal die lediglich beweisen, wie wenig frequentiert der Shop ist. Rechnet man die Besucherzahl mal um, kommt man auf ca. 30 Besucher/Tag. Und wer weiß wieviel Bots da noch mitgezählt werden…. ;)

Schauen wir usn ein paar weitere SEO-Basics an.

Der Title-Tag besteht lediglich aus dem Domainnamen. Das macht es nicht besser, ganz im Gegenteil.

Da gehört anstelle dessen auch etwas sinnvolles hin was aussagekräftig auf die Inhalte der jeweiligen Seite hinweist. Auch die Description sollte, ebenso wie der Title-Tag individuell auf jede einzelne Unterseite ausgerichtet werden und aus mehr als nur vier worten, so wie hier, bestehen. Bei den Title-Tags sollte die domain selbst komplett raus, dafür die Beschreibung der Inhalte der jeweiligen Unterseite detaillierter erfolgen. Alles in allem wurden hier grundlegende SEO-Basics mißachtet, die jedoch auch heute noch für ein gutes Ranking in den Suchmaschinen sehr wichtig sind.

Das Logo oben links ist übrigens mit der /index.php verlinkt, was weiteren duplicate Content erzeugt. Damit ist die Startseite praktisch unter vier URLs aufrufbar:

http://www.al-tumbao-de-un-tambor-diferente.de/index.php
http://www.al-tumbao-de-un-tambor-diferente.de/
http://al-tumbao-de-un-tambor-diferente.de/index.php
http://al-tumbao-de-un-tambor-diferente.de/

Das sind eindeutig drei zuviel und sollte entsprechend geändert werden.

Zum Design selbst bleibt mir nur so viel zu sagen, daß es auf mich selbst recht langweilig wirkt und nicht dazu einlädt länger im Shop zu stöbern. Wenn dieser Shop mal noch erfolgreich werden möchte, dann steckt da noch sehr sehr viel Arbeit und irgendwie bezweifel ich aber, daß dieser Arbeit einstmals noch gemacht werden wird.

4 Gedanken zu „Fehler bei Onlineshops – Teil 7

  1. Trixy Freude

    Du sagst zwar einerseits, dass der spanische Name nicht so toll wäre, weil die Sprache keiner kann, andererseits lobst du „Ebay“ und „Amazon“ – die Namen sind englisch, was du persönlich doch auch nicht kannst ;) In der Tat ist die fehlende Eingängigkeit des Domainnamens ein Problem. SEO und Design sind zweifellos Mottenkiste. Ich möchte aber doch noch mal wiederholen, was ich heute auf Twitter eher privat angemerkt habe: Hier gibt es eine ganz spezielle Zielgruppe, und die wird Fehler höchstwahrscheinlich verzeihen. Ich habe das in mehreren Usability-Artikeln (in meinem alten Webdesign-und-Usability-Blog) mal angedeutet: Wenn die Nutzer auf einer Seite etwas finden, was in einen ganz bestimmten Nutzungskontext passt – indem es eine Emotion hervorruft, ein Bedürfnis weckt oder sonst was – dann bleiben sie dort, selbst wenn die Seite Fehler produziert oder aussieht wie alte Wurst. Das gilt für Shops genauso wie für Communitys, News-Seiten usw.

    Du siehst das Ganze nun vorrangig von dem Gesichtspunkt „Wird die Seite gefunden?“ Das scheint nicht der Fall zu sein. Jedenfalls konnten meine stichpunktartigen Suchvarianten da zu keinem Ergebnis kommen. Wir können es aber nicht genau wissen, vielleicht suchen die Leute eben nach „spanischer Gesang mit acht Trommeln im Hintergrund“ und landen dann dort; ich halte es zwar für unwahrscheinlich, aber genauso wahrscheinlich ist, dass die Ware an sich eben schon eine geringe Nutzer- und Kundenzahl anzieht.

    Was ich damit eigentlich sagen will – SEO ist wichtig, Usability ist wichtig, Design ist wichtig, aber eben auch noch andere Bausteine, die wir mit einer oberflächlichen Analyse nicht immer erfassen können.

    1. Torsten Beitragsautor

      Ebay und Amazon sind aber im Vergleich zu diesem Domainnamen leicht merkbar und genauso leicht aussprechbar – in so gut wie allen Sprachen. Das ist der signifikante Unterschied. ;)

      Ich denke Shops wie diese haben nicht nur Fachpublikum. Da ist auch mal der Arbeitskollege oder die Oma auf der Suche nach einem Geburtstagsgeschenk, weil Klein Trixi doch so gerne diese „komische“ Musik hört…. ;)

      Hier könnte man sooo viel machen und ich denke das würde sich auch gut in entsprechenden Umsätzen niederschlagen, selbst oder auch gerade bei so einer Nische.

  2. Trixy Freude

    Ich meine nicht Fachpublikum. Ich meine Menschen mit Spezialinteressen. Das, was du ansprichst, ist schon wieder die Zielgruppe „potenzielle Nutzer“. Die sind ja noch schwerer zu erfassen ;) Aber ja, dass man viel machen kann ist klar. Man muss halt etwas Geld in die Hand nehmen…

  3. Copy und Print Weilburg

    Fakt bleibt jedoch das der Domainname sicher schon für Leute die der SPrache mächtig sind Probleme machen wird. Einfach viel zu lang und das Tippfehlerpotential ist viel zu hoch.
    Auch in der Werbung (sollte er mal Print oder PR machen) ist einfach bescheiden bei so langen Namen.
    Aber egal. Sind halt Shops die sicher vor langer Zeit oder mit kostenloser alten Shopsoftware erstellt wurden. Schaut man dann in die Rechtlichen Details wird es immer schlimmer und man fragt sich nur warum die noch keine Abmahnung bekommen haben.
    Liegt wohl am geringen Suchvolumen des inhaltes. So kommt wieder eins zum andern.

    Gut finde ich das hier Fehler aufgezeigt werden. Und egal wie man sie interpretiert, Domainname, Meta-Tags, Texte auf der Website. Sind bei vielen Shops halt bescheiden.
    Bei uns wird auch als daran gearbeitet was zu verbessern und wir lernen gerade alles auf die Harte Tour und durch lesen und Probieren.

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